Archiv für September 2005

patriarchale Familienstruktur oder die durchnitts-Familie

Ich habs gestern gemerkt, ich merks heute, ich habs schon vor Monaten gemerkt. Ich lebe in einer patriachalen Familie. Es werden zusammen Entscheidungen getroffen, aber der letztendliche Bourgeoise ist der Mann in der Familie; der (ich zitiere) ,,die Kohle ins Haus bringt“. Wenn es um Geldanlagen geht entscheidet der, der das Geld verdient, obwohl man in einer Ehe eine Machtteilung erwarten dürfte. Ich erkläre die Situation villeicht zu Krass. Eine absolute selektierung der Macht ist nicht da, höchstens eine, die Macht, die das Geld verwaltet. Aber der patriachale Stammeshalter übt seine Macht nicht nur über das Geld aus, auch über die Kinder, über die Familie.

Ich muss sagen das es bei uns wirklich noch gerecht zugeht (nein, meine Familie möchte ich nicht in Schutz nehmen …), aber bei markanten Dingen fallen doch die Unausgewogenheiten auf. Das eigentliche warum ich hier jetzt was schreibe ist ein frischer Streit, der sich zwischen mir und meinem Vater ablief.

In genau 3 Tagen schreibe ich meine erste Klausur, in einem meiner nicht so beliebten Fächer, Mathe. Bis jetzt habe ich noch nicht viel für Mathe getan, man kann sagen nichts. Ich würde Mathe gerne verstehen, es ist nicht nur Lustlosigkeit, die mich darin hindert für Mathe zu lernen, es ist die Tatsache das ich meist schon bei den Aufgabenstellungen scheitere. Wenn mir allerdings einmal ein mathematischer Zusammenhang klar ist, kann ich es auch meistens, aber der Weg zu dieser Erkentniss, ist lange,steinig und unglaublich mühsam. Nun kommt mein Vater daher, bezeichnet mich als faul, stellt in Frage warum ich überhaupt in die Sekundarstufe II gegangen bin, wo ich doch jetzt schon anfange zu quängeln und zu stocken. Es wird in Frage gestellt ob die teure Nachhilfe überhaupt was bringt, ob ich überhaupt für die gymnasiale Oberstufe tauge.

Da kommt man als sowieso relativ unsicherer Mensch schon ins grübeln. Bald bin ich 17, behandelt werde ich aber noch wie ein 5. Klässler, der nicht weiß, das man lernen muss um etwas zu erreichen. Es mag sein das ich in mancher hinsicht faul bin, aber wieso missachtet mein Vater anscheinend, die Fächer in denen ich gut bin? Er behandelt mich wie einen 10-Klasse-Wiederholer, der nichts anderes im Kopf als Saufen und Frauen hat. Zum Eliteschüler möchte er mich nicht trimmen, er möchte das ich etwas werde, soll ich das glauben? Wenn es so ist, dann geht es auch anders; dann fragt man warum man Mathe nicht versteht und ob man helfen könnte.

Meine Mutter kam zu mir, sagte mir das ich doch noch zwei Mal Nachhilfe habe, und das dass schon was wird. Ich erwiederte ,,Die Oberstufe schaffe ich doch eh nicht…!'‘, da kam sie mit den tröstenden Worten, ,,…du kennst doch Papa, das hat er schon in der 10 gesagt..'‘.

Kreuzt die Segel

Ich bin am letzten Samstag gut gelaunt zur nächst größeren Stadt gefahren, mit dem Bus, wie schon so oft. Ich hab mich geduscht, angezogen, einen happen gegessen, alles wie immer, wie im Alltag. Ich hab meiner Mutter auf wiedersehen gesagt, meinem Vater, meinem Bruder – im rausgehen auch meiner Oma. Ich hab mir tolle neue Kopfhörer gekauft, neue Anziesachen gesponsort bekommen, weil meine Eltern nachkamen.
Ich traf mich mit einem guten Freund, wir saßen in einem dieser Ketten-Kaffee’s, und plötzlich erhielt er schlechte Nachrichten, ich hab mich dann verabschiedet, er musste etwas regeln. Geschockt von der schlechten Nachrichten, zog ich wie in Trance weiterhin durch die Stadt. Der Rest des Aufenthalts war Standard, wie immer. Die Heimfahrt, wie immer 30min, wir saßen im Auto, in der gleichen Sitzordnung, wie immer.

Wir fuhren in unsere Einfahrt, der Parkabstandswarner signalisierte das wir fast anstoßen, wie immer. Der Kofferraum wird aufgemacht, die Taschen aufgepackt. Der Weg zur Haustür wird beschritten, wie immer. Die Tür steht auf, nicht wie immer, nur wenn es warm ist. Es war nicht mehr warm, Oma macht die Haustür immer abends zu. Wir gingen ins Haus, wie immer. Wir hörten Badewasser einlaufen, wir sahen nur die Wand hinter dem das Badezimmer meiner Oma liegt. Mein kleiner Bruder suchte nach seiner Oma um ihr seine neuesten Anschaffungen zu zeigen, ganz Stolz und voller Euphorie.

Aber das wie immer, das veränderte sich aufeinmal. Das immer ist nicht wie immer. Oma liegt tot auf dem Boden des Badezimmers, man sieht ihren Kopf nicht. Sie liegt eingeklemmt an der Wannenwand. Das Badewasser läuft weiter. Das pletschern unterstreicht die grausame Atmossphere. Meine Mutter kommt, sie sieht ihre Mutter, mit der sie seit über 40 Jahren zusammenlebt; mit der wir seit über 15 Jahren zusammenleben.

Sie liegt dort, tot. Mein Bruder und ich haben sie gefunden. Meine Mutter schreit so laut und entsetzt auf das ich nur noch ungläubig zusammensacke. Mein Vater holt mich wieder in die Realität zurück, ich wähle 110. Der Krankenwagen kommt, aber da wusste ich schon, rigor mortis war schon da.

Die Familie trifft ein, meine zwei Onkel, meine Cousine. Meine Oma ist immer noch im Bad. Mein Bruder wird zu den Nachbarn gebracht. Ich bekomme noch den Notarzt mit. Dann soll ich zu meinem Bruder gehen. Vorher gehe ich ins Wohnzimmer, ohne zu bedenken, das meine Oma dorthin gebracht wurde. Ich stürmte sofort hinaus, sofort in die Küche.

Sie ist tot, ich stand vor ihrem Grab und sah in die Tiefe der Erde, ich warf Blumen zu ihr. Nun habe ich auch keine Oma mehr, keiner meine Großeltern lebt mehr. Ich wollte ihr doch meine Freundin vorstellen, ich bin doch stolz auf meine Freundin.

Immer wenn ich nach Hause komme, sehe ich nach ob sie nicht in ihrem Sessel sitzt und Fern schaut oder in der Küche sitzt und Zeitung liest.


[Kritik zu diesem Text ist nicht erwünsch]

The show must go on

Wir haben mal wieder einer dieser Tage, ich wurde aus dem Bett geklingelt, das um 9:00 Uhr. Der Anruf war soweit erfreulich, Badespaß mit Freunden. Wie es kommen musste vergaß ich, das ich um 17:00 Uhr meine tolle Mathe-Nachhilfe habe. Also wird aus dem Treffen der Freunde nichts, weil es alles von der Zeit nicht klappen würde, ich müsste mit dem Bus hin und her kurven.

Das ist jetzt aber nicht unbedingt, das was so furchtbar schlimm ist. Solche Sachen reichen manchmal aus, um wieder der grauenhafte Selbstanalyse in die Hände zu fallen. Warum? Wieso? Weshalb?

Nur wegen so einer ganz klitzekleinen „Enttäuschung“. Mensch, ich sollte glücklich sein wie im Moment alles ist.

Wohltätigkeistbändchenmittollerenglischeraufschrift

Hippe Latexgummibändchen die Spenden bringen? Die Kapitalisten werden immer skrupelloser. Jetzt hat sogar mein Bruder so ein Teil geschenkt bekommen. Hatten Kapitalisten jemals skrupel? Nee.

„Wenn du dir diese Papiertüte kaufst und über den Kopf ziehst, dann hast du Kindern in der 3. Welt geholfen und ein tolles Modisches Accesoire erstanden.“

Hilfe!

Angst schon vor dem Anfang?

Mir fällt es immer öfter auf, ich bin ein Pessimist. Ich hab eine Freundin die ich liebe und mache mir jetz schon Gedanken wie grausam die Trennung für mich wäre. Woher kommt die Angst? Ist das Glück so groß das man es nicht glaubt es gefunden zu haben? Also Unglück durch Glück? Alle sagen ich soll im hier und jetzt leben, aber das klappt irgendwie bei mir nicht. Ich denke an gestern,heute und morgen. „Genieße es so lange es dauert“, hab ich auch schonmal gehört, ich will das es aber verdammt lange dauert. Glück sollte man festhalten aber nicht zerdrücken, was soll ich anstellen das eine Beziehung verdammt lange hält? Besonders bei den Umständen. Eigentlich hasse ich ja dieses Geschwafel, das ist so pubertär. „Ich liebe dich so sehr, kann nicht ohne dich leben …“.

Warum darf ich das aber nicht sagen? Weil ich mit der Zeit lerne das Beziehung nur eine bestimmte Zeit dauern? Wer bestimmt das denn? Die die in der Beziehung sind, also muss es möglich sein die Beziehung eine lange Zeit zu erhalten.

Villeicht mach ich mir auch die Gedanken weil ich auf den Trennungsschmerz stehe, geistiger Masochismus. Das bezweifele ich aber eher.

In manchen Dingen bin ich pubertär – oder sogar allen, nur ich weiß bzw. merke es nicht. Im Grunde ist es egal, ich werde noch früh genug erwachsen.